Danke für die Einladung zur Podiumsdiskussion der Aktionsgemeinschaft GIEB Rottweil im Rahmen der Reihe „Politik für alle“ im Haus St. Antonius.
Denn Demokratie beginnt dort, wo Menschen tatsächlich mitreden können: ohne Hürden, ohne Beschämung, ohne das Gefühl, „nicht gemeint“ zu sein.
Ein Austausch, wie er öfter sein sollte
Was mir besonders hängen geblieben ist: Der Dialog war offen, respektvoll und inhaltlich stark. Genau das braucht es viel häufiger, gerade in Zeiten, in denen politische Debatten oft schriller werden, aber nicht klüger.
GIEB steht für Gestalten, Informieren, Erleben, Beteiligen und genau das war an diesem Nachmittag spürbar.
Worüber wir gesprochen haben und warum es so dringend ist
In den Gesprächen ging es um sehr konkrete Fragen, die im Alltag entscheiden, ob jemand selbstbestimmt leben kann oder ständig gegen Wände läuft:
Gebärdensprache in Deutschland und international: Wie wird sie anerkannt? Wie selbstverständlich ist sie im öffentlichen Raum? Und warum ist Kommunikation so oft noch Glückssache?
Gehörlosengeld: In vielen Bundesländern gibt es Leistungen, die Mehraufwände gehörloser Menschen ausgleichen – in Baden-Württemberg bislang nicht. Das ist schwer zu vermitteln, wenn man zugleich über „Teilhabe“ spricht.
Spürbare Rückschritte bei der Inklusion: Nicht immer durch große Entscheidungen, oft durch kleine Kürzungen, schleppende Zuständigkeiten, fehlende Barrierefreiheit, überkomplizierte Anträge. Und am Ende zahlen Menschen den Preis mit Zeit, Nerven und Lebensqualität.
Mein Punkt ist klar: Inklusion ist Demokratie-Voraussetzung
Für mich ist klar: Jede*r muss die Möglichkeit zur gesellschaftlichen und politischen Beteiligung haben.
Inklusion ist kein „Nice-to-have“, kein Sozialprojekt für gute Zeiten. Inklusion ist Grundvoraussetzung für Demokratie. Denn wenn Zugang, Sprache, Mobilität oder Assistenz fehlen, dann fehlen am Ende Perspektiven. Und eine Demokratie, die Perspektiven verliert, verliert Substanz.
Und ja: Gerade hier darf man auch bei knappen Kassen nicht sparen. Wer bei Inklusion kürzt, spart nicht „Kosten“, sondern kürzt Rechte. Barrieren sind nicht nur Beton und Treppenstufen, Barrieren sind auch Formulare, Wartezeiten, Zuständigkeitswirrwarr, fehlende Dolmetschangebote und die stillschweigende Erwartung, dass Betroffene „sich halt anpassen“ sollen.
Barrieren abbauen – nicht Menschen umständlich machen
Deshalb setze ich mich dafür ein:
Freiheit im Alltag schaffen (durch Barrierefreiheit, Assistenz, verständliche Kommunikation)
Gleichberechtigung praktisch machen, nicht nur versprechen
Zukunftsfähigkeit beweisen: Eine alternde Gesellschaft wird nur funktionieren, wenn Inklusion als Standard mitgedacht wird, in Kommunen, im ÖPNV, in Bildung, im Gesundheitswesen.
Denn Inklusion ist kein Sonderthema. Sie ist ein Prüfstein dafür, ob wir als Gesellschaft lernen, Unterschiede nicht als Störung, sondern als Realität zu organisieren.
Danke für den Dialog – davon profitieren am Ende alle
Danke an die Aktionsgemeinschaft GIEB und alle Beteiligten für den engagierten Austausch.
Ich nehme aus diesem Nachmittag viel mit: konkrete Impulse, klare Erwartungen und auch die Verantwortung, dass wir nicht nur zuhören, sondern liefern.
Denn am Ende gilt: Wenn wir Barrieren abbauen, wird das Leben nicht nur für Menschen mit Behinderung leichter – sondern für alle menschlicher.

